Donnerstag, 11. Juli 2013

Skydiving...


... "Ich bin doch nicht blöd und springe aus einem funktionierenden Flugzeug."
Dieses Zitat stammt von einem Stewart aus Berlin, den wir in Cairn kennengelernt haben - und doch, wir haben es getan!

Hier meine Erfahrung vom Sprung aus 14,000 ft (4,27 km) schildern...

Als wir den Sprung in einem Tourbüro gebucht haben, war ich noch ganz entspannt und habe mir nicht wirklich Gedanken darüber gemacht, auf was ich mich da einlasse. Selbst die Nacht vor dem Sprung habe ich völlig entspannt geschlafen. Aber dann kam der Morgen, an dem es losgehen sollte. Wir wurden um halb 10 abgeholt und zum Flughafen gefahren. Dort mussten wir einen umfangreichen Fragebogen zu Gesundheitsschäden und diverse Erklärungen für den Todesfall abgeben - dabei wird einem schon etwas komisch. Aber naja, wir sind ja nicht die ersten, die springen - hab ich mir gedacht. Danach gab es eine kurze Sicherheitseinweisung per Video. Bis jetzt war ich nicht sonderlich aufgeregt. Irgendwann waren Andreas, Anna und ich mit vier anderen Personen mit den Vorbereitungen dran. Zu jedem kam ein Guide, mit dem wir springen sollten. Das Sprunggeschirr wurde angelegt und der Guide gab mir noch ein paar Einweisungen. Kurze Zeit später saßen wir auch schon dicht hintereinander in der kleinen einpropeller Cessna. Es ging schnell aufwärts. Jetzt bekam ich  es etwas mit der Angst zutun. Aber der Flug sollte ja ca. 25 Minuten dauern, also noch kein Grund zur Panik. Während des Aufstiegs, welcher eine wunderbare Sicht auf Cairns und Umgebung lieferte, schnallte sich der Lehrer an meinem Rücken fest - "bombenfest". Das gab mir ein sicheres Gefühl - und natürlich die Tatsache, dass der gute Mann hinter mir schon über 1000 Sprünge hinter sich hat. Mit zunehmender Höhe wurde es auch kälter, so kalt, dass ich langsam anfing vor Kälte zu zittern - nein, noch nicht vor Angst! Irgendwann hatten wir dann die Absprunghöhe von knapp über 4 km erreicht. Andreas musste als erster springen, da er am nächsten zum Tor saß. Sein Guide öffnete das kleine Tor der Cessna, ein eisiger Wind brachte mich sofort zum zittern und jetzt kam auch ein ganz komisches Gefühl dazu.  Andreas ließ seine Beine rausbaumeln. In dem Moment habe ich mich gefragt, was ich hier eigentlich mache... Wenige Sekunden später gab sein Lehrer das Zeichen zum Sprung! Ich hörte ihn noch ganz kurz schreien, dann war er nicht mehr zu sehen. Gleich darauf war eine weitere Person dran, ich als drittes. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis ich am Tor saß. Ich legte meine Arme über Kreuz auf die Brust, den Kopf nach hinten... Gleich darauf ging es los!!! Wie mit meinem Lehrer abgesprochen, machte er mit mir einen Salto aus dem Flugzeug heraus. Was ich in den folgenden 60 Sekunden freien Fall erlebt habe, möchte ich versuchen in Worte zu fassen, was nicht ganz einfach ist. Während des Saltos sah ich noch kurz das Flugzeug, dann haben wir gleich die "Arch-Position" (ausgestreckte Arme und Beine) eingenommen. Die Beschleunigung war enorm. Ich konnte es kaum realisieren, was gerade vor sich ging. Man sieht die Erde vor sich, aber irgendwie ist sie total weit weg, und sie will nicht so richtig näher kommen. Wir rasten auf eine dünne Wolke zu. Mein Lehrer fragte mich per Zeichensprache, ob alles okay sei. Ich gab ihm ein Zeichen, dass alles in Ordnung ist. Trotz Schutzbrille tränten meine Augen wegen des heftigen Windes. Die Kälte war zwar da, aber ich nahm sie kaum noch wahr. Wir kamen der Wolke immer näher. Mein Lehrer machte irgendwas, so dass wir uns horizontal drehten. Zeitweise wusste ich gar nicht, ob er noch an mir angeschnallt war, weil ich ihn ja nicht sehen konnte. Der Druck auf den Ohren wurde unglaublich stark. Als wir mit maximaler Geschwindigkeit von fast 200 km/h in die Wolke eintauchten, wurde es schlagartig kälter und nass. Gleich darauf verspürte ich nur noch einen starken Ruck, der Lehrer hatte den Fallschirm geöffnet. Währenddessen legte er einen Arm um meinen Oberkörper und drückte mich zur Stabilisierung an sich. Diese 60 Sekunden freier Fall waren das unglaublichste was ich jemals mitgemacht habe!
Gleich zu Beginn des Gleitfluges begrüßte er mich mit den Worten "Welcome to me workplace." - ich wusste ganz genau was er meinte! Die Aussicht war atemberaubend. Unter uns riesige Zuckerrohrfelder, im Hintergrund der Regenwald im Gebirge, dazu Sonnenschein.
Er fragte mich, ob es mir gut gehe, was ich zum Glück bejahen konnte. Erst jetzt sah ich auch andere Springer - zwei unter mir und der Rest noch über mir. Im freien Fall waren die Windgeräusche so laut, dass ich mich selbst nicht schreien gehört habe. Im Gleitflug dagegen war es ziemlich ruhig und ich konnte die herrliche Aussicht genießen.
Nach einigen Minuten erklärte er mir, wo wir landen werden und wie das ablaufen solle. Er zeigte auf eine Wiese neben einem Haus. Gleichzeitig meinte er auch, dass ich mich nicht erschrecken solle, denn der Boden komme sehr schnell sehr nah. So weit, so gut. Er machte noch ein paar coole Drehungen und leitete dann die Landung ein. Ca. 20 Meter überm Boden sagte er mir, ich solle die Beine nach oben ausstrecken und meine Hände unter die Oberschenkel nehmen. Alles klar. Der Boden kam wirklich sehr schnell nah! Er landete auf seinen Füßen, dann trat ich auf. Alles hat perfekt geklappt! Andreas war schon unten und wir kamen aus dem grinsen nicht mehr raus. Gleich darauf kam der Rest der Gruppe unten an.
Es war wirklich eine absolut grandiose Erfahrung "aus einem funktionierenden Flugzeug" zu springen. Ich werde es auf jeden Fall noch mal tun und kann nur jedem raten: mach es! ;-)

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