... "Ich bin doch nicht blöd und springe aus
einem funktionierenden Flugzeug."
Dieses Zitat stammt von einem Stewart aus Berlin,
den wir in Cairn kennengelernt haben - und doch, wir haben es getan!
Hier meine Erfahrung vom Sprung aus 14,000 ft (4,27
km) schildern...
Als wir den Sprung in einem Tourbüro gebucht haben,
war ich noch ganz entspannt und habe mir nicht wirklich Gedanken darüber
gemacht, auf was ich mich da einlasse. Selbst die Nacht vor dem Sprung habe ich
völlig entspannt geschlafen. Aber dann kam der Morgen, an dem es losgehen
sollte. Wir wurden um halb 10 abgeholt und zum Flughafen gefahren. Dort mussten
wir einen umfangreichen Fragebogen zu Gesundheitsschäden und diverse
Erklärungen für den Todesfall abgeben - dabei wird einem schon etwas komisch.
Aber naja, wir sind ja nicht die ersten, die springen - hab ich mir gedacht.
Danach gab es eine kurze Sicherheitseinweisung per Video. Bis jetzt war ich
nicht sonderlich aufgeregt. Irgendwann waren Andreas, Anna und ich mit vier
anderen Personen mit den Vorbereitungen dran. Zu jedem kam ein Guide, mit dem
wir springen sollten. Das Sprunggeschirr wurde angelegt und der Guide gab mir
noch ein paar Einweisungen. Kurze Zeit später saßen wir auch schon dicht hintereinander
in der kleinen einpropeller Cessna. Es ging schnell aufwärts. Jetzt bekam ich es etwas mit der Angst zutun. Aber der Flug
sollte ja ca. 25 Minuten dauern, also noch kein Grund zur Panik. Während des
Aufstiegs, welcher eine wunderbare Sicht auf Cairns und Umgebung lieferte,
schnallte sich der Lehrer an meinem Rücken fest - "bombenfest". Das
gab mir ein sicheres Gefühl - und natürlich die Tatsache, dass der gute Mann
hinter mir schon über 1000 Sprünge hinter sich hat. Mit zunehmender Höhe wurde
es auch kälter, so kalt, dass ich langsam anfing vor Kälte zu zittern - nein,
noch nicht vor Angst! Irgendwann hatten wir dann die Absprunghöhe von knapp
über 4 km erreicht. Andreas musste als erster springen, da er am nächsten zum
Tor saß. Sein Guide öffnete das kleine Tor der Cessna, ein eisiger Wind brachte
mich sofort zum zittern und jetzt kam auch ein ganz komisches Gefühl dazu.
Andreas ließ seine Beine rausbaumeln. In dem Moment habe ich mich
gefragt, was ich hier eigentlich mache... Wenige Sekunden später gab sein
Lehrer das Zeichen zum Sprung! Ich hörte ihn noch ganz kurz schreien, dann war
er nicht mehr zu sehen. Gleich darauf war eine weitere Person dran, ich als
drittes. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis ich am Tor saß. Ich legte meine
Arme über Kreuz auf die Brust, den Kopf nach hinten... Gleich darauf ging es
los!!! Wie mit meinem Lehrer abgesprochen, machte er mit mir einen Salto aus
dem Flugzeug heraus. Was ich in den folgenden 60 Sekunden freien Fall erlebt
habe, möchte ich versuchen in Worte zu fassen, was nicht ganz einfach ist.
Während des Saltos sah ich noch kurz das Flugzeug, dann haben wir gleich die
"Arch-Position" (ausgestreckte Arme und Beine) eingenommen. Die
Beschleunigung war enorm. Ich konnte es kaum realisieren, was gerade vor sich
ging. Man sieht die Erde vor sich, aber irgendwie ist sie total weit weg, und
sie will nicht so richtig näher kommen. Wir rasten auf eine dünne Wolke zu.
Mein Lehrer fragte mich per Zeichensprache, ob alles okay sei. Ich gab ihm ein
Zeichen, dass alles in Ordnung ist. Trotz Schutzbrille tränten meine Augen
wegen des heftigen Windes. Die Kälte war zwar da, aber ich nahm sie kaum noch
wahr. Wir kamen der Wolke immer näher. Mein Lehrer machte irgendwas, so dass
wir uns horizontal drehten. Zeitweise wusste ich gar nicht, ob er noch an mir
angeschnallt war, weil ich ihn ja nicht sehen konnte. Der Druck auf den Ohren
wurde unglaublich stark. Als wir mit maximaler Geschwindigkeit von fast 200
km/h in die Wolke eintauchten, wurde es schlagartig kälter und nass. Gleich
darauf verspürte ich nur noch einen starken Ruck, der Lehrer hatte den
Fallschirm geöffnet. Währenddessen legte er einen Arm um meinen Oberkörper und
drückte mich zur Stabilisierung an sich. Diese 60 Sekunden freier Fall waren
das unglaublichste was ich jemals mitgemacht habe!
Gleich zu Beginn des Gleitfluges begrüßte er mich
mit den Worten "Welcome to me workplace." - ich wusste ganz genau was
er meinte! Die Aussicht war atemberaubend. Unter uns riesige Zuckerrohrfelder,
im Hintergrund der Regenwald im Gebirge, dazu Sonnenschein.
Er fragte mich, ob es mir gut gehe, was ich zum
Glück bejahen konnte. Erst jetzt sah ich auch andere Springer - zwei unter mir
und der Rest noch über mir. Im freien Fall waren die Windgeräusche so laut, dass
ich mich selbst nicht schreien gehört habe. Im Gleitflug dagegen war es
ziemlich ruhig und ich konnte die herrliche Aussicht genießen.
Nach einigen Minuten erklärte er mir, wo wir landen
werden und wie das ablaufen solle. Er zeigte auf eine Wiese neben einem Haus.
Gleichzeitig meinte er auch, dass ich mich nicht erschrecken solle, denn der
Boden komme sehr schnell sehr nah. So weit, so gut. Er machte noch ein paar
coole Drehungen und leitete dann die Landung ein. Ca. 20 Meter überm Boden
sagte er mir, ich solle die Beine nach oben ausstrecken und meine Hände unter
die Oberschenkel nehmen. Alles klar. Der Boden kam wirklich sehr schnell nah!
Er landete auf seinen Füßen, dann trat ich auf. Alles hat perfekt geklappt!
Andreas war schon unten und wir kamen aus dem grinsen nicht mehr raus. Gleich
darauf kam der Rest der Gruppe unten an.
Es war wirklich eine absolut grandiose Erfahrung
"aus einem funktionierenden Flugzeug" zu springen. Ich werde es auf
jeden Fall noch mal tun und kann nur jedem raten: mach es! ;-)
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